Eine neue Website kann über Nacht Sichtbarkeit kosten, die über Jahre gewachsen ist. Meist liegt es nicht am Design, sondern an Adressen, die ins Leere führen.

Suchmaschinen kennen eine Website als Sammlung einzelner Adressen. Jede Unterseite hat ihre eigene Geschichte: Links von anderen Seiten, Rankings für bestimmte Suchbegriffe, Einträge in Lesezeichen. Ein Relaunch, der die Adressstruktur ändert, schneidet diese Verbindungen ab, wenn niemand sie bewusst umleitet.

Was bei einem Relaunch verloren geht

Das Ergebnis zeigt sich einige Wochen später: Besucher landen auf Fehlerseiten, alte Rankings verschwinden, Anfragen gehen zurück. Die neue Seite mag besser aussehen, aber sie beginnt aus Sicht der Suchmaschine an vielen Stellen neu.

1. Jede alte Adresse braucht ein Ziel

Die Grundlage ist eine Liste aller bisherigen Adressen — aus der Sitemap, aus der Search Console und aus den Server-Protokollen. Jede davon bekommt ein Ziel auf der neuen Seite und wird mit einer dauerhaften Weiterleitung (Statuscode 301) dorthin geleitet. Die Weiterleitung sollte auf die inhaltlich passende Seite zeigen, nicht pauschal auf die Startseite.

2. Inhalte nicht nebenbei streichen

Relaunches werden gern genutzt, um aufzuräumen. Das ist sinnvoll, solange man weiß, was man entfernt. Eine alte Unterseite, die unscheinbar aussieht, kann einen großen Teil der Besuche über die Suche bringen. Vor dem Streichen gehört ein Blick in die Zahlen: Welche Seiten werden gefunden, und wofür?

Alle alten Adressen erfassen, bevor irgendetwas abgeschaltet wird

Jede alte Adresse per 301 auf die passende neue Seite leiten

Titel, Überschriften und Texte gut gefundener Seiten übernehmen

Neue Sitemap in der Search Console einreichen

Fehlerseiten in den Wochen danach regelmäßig prüfen

Weiterleitungen, die massenhaft auf die Startseite zeigen, behandelt Google ähnlich wie nicht gefundene Seiten. Der Aufwand, jede Adresse einzeln zuzuordnen, ist deshalb kein Perfektionismus, sondern die eigentliche Arbeit eines Relaunches.

Wechselt zusätzlich die Domain, kommt die Adressänderung in der Search Console hinzu. Die Weiterleitungen sollten laut Google mindestens ein Jahr bestehen bleiben — besser dauerhaft, denn Links auf alte Adressen verschwinden nicht.

Vorher messen, nachher vergleichen

Vor dem Umstieg wird der Stand festgehalten: Besuche aus der Suche, die wichtigsten Suchbegriffe, die meistbesuchten Seiten. Ohne diese Vergleichsbasis lässt sich hinterher nicht sagen, ob der Relaunch geschadet oder genutzt hat.

Schwankungen in den ersten Wochen sind normal, weil Suchmaschinen die neue Struktur erst erfassen müssen. Bleiben die Besuche aber dauerhaft unter dem alten Stand, liegt es meist an konkreten Ursachen: fehlenden Weiterleitungen, gestrichenen Inhalten oder Seiten, die versehentlich von der Indexierung ausgeschlossen sind.

Ein sauber vorbereiteter Relaunch fällt in den Zahlen kaum auf. Das ist das Ziel: Die Besucher bemerken die neue Seite, die Suchmaschine bemerkt nur, dass sich Adressen geändert haben — und wohin.